Die Geschichte der Wölfe [von Daro]

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    • Die Geschichte der Wölfe [von Daro]

      Die Geschichte der Wölfe
      [von @Daro]

      Mit einer kleinen Verspätung...

      *Post folgt*
      Wer glaubt, dass schweigen Probleme löst,
      hält sich auch die Augen zu, um unsichtbar zu werden.

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    • Die Geschichte der Wölfe
      Zwischen Wölfen und Menschen gab es schon immer ein besonderes Verhältnis. So haben bereits die Menschen, die noch als Jäger und Sammler lebten, angefangen die Wölfe zu zähmen und so entstand schließlich der Hund und damit eine eigene Tierart, die vom Wolf abstammt. Den Wolf an sich gibt es seit etwa zwei Millionen Jahren. Da er ein eher kälteliebendes Tier ist, verbreitete er sich nur auf der Nordhalbkugel.

      Der Wolf in der antiken Mythologie

      In der Antike hatte der Wolf bei den Menschen keinen schlechten Ruf. So wurden zum Beispiel die römischen Stadtgründer Romulus und Remus der Sage nach von einer Wölfin gefunden und großgezogen. Leto, eine Geliebte des griechischen Göttervaters Zeus, wurde von diesem in einen Wolf verwandelt, damit sie von der Eifersucht seiner betrogenen Gattin Hera verschont blieb. In der nordischen Mythologie hatte der Gott Odin stets die Wölfe Geri und Freki als Begleiter bei sich. Allerdings wird er schließlich auch von dem riesigen Fenriswolf verschlungen, als die Welt untergeht. Auch in Indien gab es Geschichten, nach denen Kinder in Wolfsrudeln aufgenommen und großgezogen wurden. Bei den indigenen Völkern Sibiriens und Nordamerikas zogen sich Schamanen Wolfsfelle über, um sich die Fähigkeiten der Tiere anzueignen. Ähnlich war das bei Berserker und germanischen Kriegern.

      Das Verhältnis des Menschen zum Wolf verschlechtert sich

      Anders war das im Christentum. Dieses personifizierte ihn von Beginn an als skrupellosen Richter oder Stellvertreter moralischer Abwege, gegen den Jesus als Schäfer seine schutzlosen Lämmer schützen musste.

      Wölfe waren zu Beginn des Mittelalters noch in ganz Europa verbreitet. Im Mittelalter verschlechterte sich das Verhältnis von Mensch und Wolf zunehmend. Durch den Bevölkerungswachstum und die daraus resultierende Ausbreitung der Landwirtschaft wurde dem Wolf zunehmend die Lebensgrundlage genommen. Es entstand Konkurrenz zwischen Jägern und Wölfen um das Wild und wenn der Wolf keine Nahrung mehr fand, begann er bei den Nutztieren der Bauern und Hirten Beute zu machen.Karl der Große erließ bereits im Jahr 813 ein Gesetz, dass die Grafen verpflichtete, Wolfsjäger, sogenannte Lupiarii einzustellen. In Kriegszeiten vermehrten sich Wölfe sehr stark. Dass Wölfe auch Leichen gefressen haben, hat ihr negatives Image weiter verstärkt. Bereits im Sachsenspiegel 1215 waren Wölfe zu rechtsfreien Wesen erklärt worden. Franz von Kobell berichtet auch, dass 1271 in der Umgebung von Würzburg 30 Menschen von Wölfen getötet worden waren. Mitte des 15. Jahrhunderts sollen Wölfe sogar bis nach Paris gekommen sein und dort auch Menschen angegriffen haben. Hans Friedrich von Fleming schildert in seinem Buch Der vollkommene teutsche Jäger von 1719, welches Bild damals von Wölfen geherrscht hat:

      "Unter denen hier zu Lande bekannten Raubtieren ist wohl sonder Zweifel der Wolf das schändlichste und arglistigste zu nennen, welches der große Gott dem menschlichen Geschlechte, auch sowohl zahmen, als wilden Tieren, zu sonderbarer Strafe erschaffen, indem derselbe nicht allein auf der Wende und Feldern, sondern auch am Tage die Schafe, das Rindvieh, die Pferde, auch Wildpret in Wäldern, ja sogar in Dörfern, Gärten und Straßen die Menschen angreift, zerreißt und frisst.

      Sie vermehren sich in Wildnissen, Brüchen, Steinfelsen, Löchern und Behältnissen, doch mehrentheils in Kriegszeiten, weil zu solcher Zeit ihnen niemand nach nachstellt, sondern sie sich vielmehr wegen des Raubes der Körper von Menschen, Pferden, Ochsen und anderem Vieh, so zu selber Zeit erschlagen werden, mehren und von anderen Ländern dahin ziehen: In Friedenszeit aber werden dieselben mehr gefangen und ausgerottet.“
      Der Wolf wird hier als Feind des Menschen, als hinterhältiger Beutegreifer, der Angst und Schrecken verbreitet und ausgerottet werden sollte, aufgefasst. In Fabeln und Geschichten wurde der Wolf als Symbol für Hinterlist und Bösartigkeit dargestellt. Zwei Beispiele hierfür sind die bekannten Märchen Rotkäppchen und der Wolf und die sieben Geißlein von den Gebrüdern Grimm. Auch soll in Südfrankreich 1764 die so genannte „Bestie von Gévaudan“ ihr Unwesen getrieben haben und mehr als 100 Menschen getötet haben. Wolfsforscher wie Erik Zimen bezweifeln derartige Geschichten jedoch. So haben Wölfe in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa nur neun Menschen getötet, fünfmal hatten sich die Tiere dabei an Tollwut infiziert. Stattdessen wird es für möglich gehalten, dass diese kein normaler Wolf, sondern ein Mischling aus Wolf und Hund gewesen ist.

      Der Mythos vom Werwolf

      Dem Wolf wurden auch übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Den Mythos vom Werwolf gab es schon in der Antike. So beschreibt beispielsweise Ovid in seinen Metamorphosen, wie der arkadische König Lykaon in einen Werwolf verwandelt wird. Im Mittelalter und vor allem in der frühen Neuzeit wurden ihnen die schlechtesten Eigenschaften wie Mord oder Vergewaltigungen nachgesagt. Ähnlich wie bei den Hexenverbrennungen wurden Menschen, die man als Werwölfe anklagte, eine Verbindung zum Teufel nachgesagt und am Ende hingerichtet. Häufig geschah dies auf dem Scheiterhaufen. Es gibt eine Theorie, die besagt, dass die Tollwut mitverantwortlich war für die Verbreitung des Werwolfsmythos, da es bei der durch Tierbisse übertragenen Krankheit zu aggressivem Verhalten und Krampfanfällen kommt. Ein bekanntes Beispiel für die Hinrichtung eines als Werwolf angeklagten Mannes ist der Tod des Bauern Peter Strump, der 1589 als Werwolf von Bedburg bekannt wurde. Ein Kupferstich seines Todes gibt einen relativ genauen Einblick in die grausamen Methoden der damaligen Zeit. Doch auch nach Ende des zweiten Weltkrieges erlebte der Werwolfglaube eine tragische Renaissance. In den russischen Besatzungszonen wurden unschuldige Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren gefangen genommen und vor einem Militärgericht als Werwölfe angeklagt. Nach der Verurteilung wurden sie teils direkt erschossen, teils wurden sie zur Zwangsarbeit in Arbeitslagern verpflichtet, deren Strapazen sie in bis zu 10 Jahren Haft oft nicht überlebten.

      Die gnadelose Ausrottung der Wölfe (im deutschen Reich)



      Um Wölfe zu jagen, wurden verschiedene Methoden angewandt. Eine davon war die Wolfsangel, ein Eisenhaken, an dem Fleischköder aufgespießt worden sind. Wenn ein Wolf nach einem solchen Köder gesprungen ist, blieb er mit der Schnauze an dem Haken hängen und verendete qualvoll. Eine weitere Methode, die bereits im Mittelalter verwendet wurde, war es, tote Tierkadaver mit Giftködern auszulegen, die Wölfe, aber auch Füchse, Wildkatzen und Luchse tötete. Oft wurde das aus Beeren gewonnene Nervengift Strychnin verwendet. Außerdem wurden Wölfe bei der Treibjagd durch Lärm aufgeschreckt und in einen gewissen Bereich, der zum Beispiel mit Lappen eingezäunt ist, getrieben, wo sie dann beschossen wurden. Eine weitere Falle, die verwendet wurde, war die Wolfsgrube. Es handelte sich um im Regelfall in etwa vier Meter tiefe und 1,5 Meter breite Löcher, die ummauert waren, damit das Tier nicht herausklettern konnte. Wenn ein Wolf in die Falle ging, wurde er entweder gleich erschossen, oder mit einer Dachszange, die ursprünglich dazu verwendet wurde, Dachse aus dem Bau zu holen, gefasst und dann erschlagen.

      Wie auch beim Luchs wurden auch beim Wolf Vorschriften geschaffen, die die Bevölkerung zur Jagd von Wölfen verpflichtete. Darüber hinaus wurden Belohnungen für erlegte Wölfe gezahlt, die sich je nach Gegend unterschieden. Vor allem nach der Bestandserholung der Wölfe während des 30-Jährigen Krieges begann der Ausrottungsprozess der Wölfe. Durch verbesserte Waffen und den schon angesprochenen Einsatz von Strychnin waren die Wölfe um 1800 größtenteils vernichtet. Der letzte Wolf in Unterfranken wurde wurde bspw. 1819 erschossen. „Den letzten dieser Wölfe erlegte ein Forstgehülfe, der seltsamerweise den Namen Lamm führte.“ (Franz von Kobell, Wildanger) Der letzte Wolf in Deutschland wurde am 27. Februar 1904 in der Lausitz erlegt. Unter dem Namen „Tiger von Sabroth“ erlangte er Berühmtheit. Auch Anfang des 20. Jahrhunderts war die Stimmung noch sehr stark gegen den Wolf gerichtet.

      Die Rückkehr der Wölfe

      Im Jahr 1970 ist die Zahl der Wölfe in Europa an ihrem bislang niedrigsten Stand angekommen. Doch ausgehend von ihren verbliebenden Revieren in Süd- und Osteuropa haben die Wölfe begonnen in ihre einstigen Gebiete zurückzukehren. Unter anderem kamen sie in die Westalpen und in Teile von Skandinavien zurück. Die Wölfe, die nach Deutschland zurückkehrten, kamen aus Westpolen und stammten ursprünglich aus den Masuren oder den Ostkarpaten. In der Gegend von Posen siedelten sich mehrere Wolfsrudel an. Einzelne Wölfe kamen auch in die DDR zurück, doch dort wurden Wölfe nicht geduldet und 13 Tiere wurden bis zum Mauerfall erschossen.
      Nachdem Deutschland wiedervereinigt worden war, wurde auch in den neuen Bundesländern das Bundesnaturschutzgesetz eingeführt, welches Wölfe unter Schutz stellte. Dennoch kam es immer wieder zur Tötung der einzelnen nach Deutschland abwandernden Wölfe. Noch schlimmer war die Wilderei in Polen, wodurch nicht mehr so viele Wölfe nachgekommen sind.

      1998 wurden zwei jagende Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz entdeckt. Im Jahr 2000 bekam dieses Pärchen zum ersten Mal Nachwuchs. Auch in den Jahren darauf folgte weiterer Nachwuchs. Die vier Jungwölfe des ersten Wurfes wanderten im Winter 2001/2002 ab. Eine Wölfin, die sogenannte Neustädter Wölfin paarte sich mit einem Haushund, was ein Problem darstellt, denn die daraus entstandenen Hybriden stellen eine Bedrohung für die noch junge Population der Wölfe in Deutschland dar. Die meisten der Hybriden starben jedoch und zwei Exemplare werden bei einer Lappjagd gefangen und weggebracht. Die Neustädter Wölfin wurde auch gefangen und registriert, seitdem kann ihre Bewegung verfolgt werden. In das Gebiet der Neustädter Wölfin wanderte ein weiterer Wolfsrüde ein, mit welchem sie ein weiteres Rudel gründet. Im Laufe der folgenden Jahre wurden weitere Rudel gegründet und die Zahl der Wölfe in Deutschland vergrößerte sich zunehmend. Die Wölfe sind dabei sich wieder in Deutschland zu etablieren.

      Wie sollte man nun mit dem Wolf in Deutschland umgehen?

      Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Mensch den Wölfen, wie auch anderen Tieren wie Bären, Luchsen und Wildkatzen im Laufe der Jahrhunderte viel Leid zugefügt hat, während die Raubtiere selbst für den Menschen keine große Bedrohung darstellten. Durch die Rückkehr dieser Tiere wird ein wertvoller Teil des Ökosystems zurückgewonnen. Es ist durchaus angebracht, sich die Frage zu stellen, ob wir diese Tiere in Deutschland überhaupt wieder brauchen, doch auf der anderen Seite ist auch die Frage, ob wir die Berechtigung dazu haben über die Existenz anderer Lebewesen zu entscheiden. Entscheidend wird dabei sein, wie man mit den Folgen der Rückkehr umgeht. Es ist wichtig, dass die Tiere unter Schutz gestellt werden, denn sie sind nach wie vor nicht sicher vor Wilderei und illegaler Jagd, doch auf der anderen Seite muss auch die Möglichkeit bestehen, Tiere, die sich zu größeren Problemen entwickeln, wenn sie zum Beispiel sich auf Nutz- statt auf Wildtiere spezialisieren, abschießen zu lassen. Wichtig wird dabei auch sein die Bevölkerung über die Tiere aufzuklären. Es ist durchaus zu erkennen, dass es in der Vergangenheit je nach Zeit Unterschiede im Umgang mit den Tieren gegeben hat.

      In den Jahren 2016/17 konnten 60 Wolfsrudel und 13 Pärchen nachgewiesen werden. (zum Vergleich: die Zahl der Wölfe die im Jahr 1871/72 nur in Lothringen erschossen wurden, lag bei 500 Tieren). Die Zahl der Wölfe in Deutschland ist nach wie vor sehr gering, der Großteil davon lebt in Brandenburg und Sachsen.
      gut = Aktion finde ich gut vom Spieler, rollenunabhängig
      dorfig = Aktion lässt den Rückschluss zu, dass die Person Dorfbewohner ist, unabhängig davon, ob ich den Move gut oder schlecht fand

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    • Was Mel sagt. :D

      Ich wollte gestern schon antworten, mir ist aber tatsächlich nichts anderes eingefallen, als Danke. ^^

      Wie man vielleicht weiß (oder auch nicht) liebe ich Wölfe und finde es unglaublich schade, dass sie auch heute noch bei vielen einen schlechten Ruf haben. (Ich hab vor Wildschweinen deutlich mehr Angst. ^^ )
      Ich bin froh, dass es langsam wieder mehr Wölfe in Deutschland gibt. :love: Ich hoffe es kommt der Tag, an dem ich einem im Wald begegne...aber das ist ein anderes Thema. ^^

      Jedenfalls freu ich mich sehr, dass du (Daro) dich mit diesem Thema so beschäftigt hast und einen Beitrag dazu geschrieben hast. :hero:

      Random: Von Erik Zimen hab ich sogar ein Buch. Da sind auch viele coole Bilder von Wölfen und Wölfen mit ihm drin. :love:
      You need to be fair
      when you cheat.