Gudrun arbeitete gerade intensiv an einem Finanzierungsplan, als ich den Raum betrat. Es war nun schon drei Tage, dass die letzte Sitzung des Thronrates vorbei war. Wir befanden und in der königlichen Gesellschaft für Geschichte.
"Wo bist du gewesen?", rief sie laut. Ich atmete tief ein und begann zu erzählen. "Nun. Wir hatten die letzte Sitzung des Thronrates und haben erfahren, dass Kronprinz Haben einem lebensbedrohlichen Angriff zum Opfer gefallen ist. Es musste jemand gewesen sein, der unmittelbaren Zugang zu ihm hatte und das konnten zu dem Zeitpunkt eigentlich nur die Mitglieder des Thronrates und ein paar Bedienstete gewesen sein. Sky, der Referent des Königs, hat Kurt von Selaconia für den Schuldigen gehalten, was ich verstehen kann, da er definitiv irgendetwas mit den Rebellinnen zu tun hat. Doch wer auch immer Haben angegriffen hat, war kein einfacher Rebell. Offensichtlich handelt es sich um einen Nekromanten, der in der Lage ist, Suchende zu erschaffen. Es muss eine sehr mächtige Gestalt sein. Und eine, die mich loswerden will."
"Wie kommst du darauf?" "Nachdem Kurt aus dem Thronrat und aus Deastrom verbannt worden war, haben sich die Untoten offenbar stark genug gefühlt, um einen Angriff auf mich zu starten. Ich hatte kurz Zeit mich darauf vorzubereiten, weil LB es irgendwie erahnt hat und mich davor gewarnt hat... Nunja, letztendlich ging es alles trotzdem echt schnell und es gab einen heftigen Kampf. Es war ein mentaler Angriff, den Fayks und Mascha durchgeführt haben. Aber sie haben ihn sicher nur kanalisiert. Initiiert hat diesen jemand anders und die Person war nicht schwach."
Aus Gudruns Mine konnte ich entnehmen, dass sie nicht sonderlich viel Erfahrung mit mentalen Angriffen hatte. Ich ehrlich gesagt auch nicht, aber zumindest hatte ich mir den notwendigen theoretischen Hintergrund angeeignet, um zu wissen, wie man da reagieren muss. Und für die paar Sekunden, die er dauerte, hatte es gereicht. "Nun, jedenfalls hat der Angriff dann abgebrochen, weil der Versammlungssaal angefangen hat zu brennen. Fayks ist dann irgendwie abgehauen. Und Mascha ist völlig handlungsunfähig geworden. LB und ich haben sie dann irgendwie mit rausgeschleift und dann den Wachen übergeben, damit sie sie zum Hospital bringen. Ich selbst bin ich zum Tempel der Berge geeilt, um nach Thelia zu schauen, der es dort zum Glück gut ging. Nun, ich habe dann die Priester gebeten, sie nach Keratin in Sicherheit bringen."
"Nach Keratin? In Sicherheit?" Ich konnte Gudruns Blick nur zu gut verstehen. Keratin war eine der ärmsten Städte von Düsterwald und stellenweise herrschten kriminelle Banden oder Anarchie. Der Herrscher war ein unfähiger und schrecklicher Fürst. Aber naja, die Stadt hatte zwei Vorteile. Sie war nahe an der östlichen Wüste und dort würde sicher keiner Thelia vermuten. Wohl war mir bei der Entscheidung natürlich trotzdem nicht.
"Nunja, du weißt ja das der Tempel der Berge gerade die Erdbebengefahr für die Stadt untersucht. Und sollte die Stadt wirklich einem Erdbeben zum Opfer fallen, dann haben wir ein großes Problem. Unter der Stadt ist ein gigantisches Tunnelsystem. Wenn das einbricht, könnte sich alles hier um 5-10 Meter nach unten verschieben. Dann ergeht es Deastrom, vor allem den inneren Ringen, wie Heviar, nur mit deutlich mehr Trümmern."
"Wir müssen sofort handeln!", sagte eine krächzige Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und musste einen Schrei unterdrücken. Dort saß Haben und er sah schlimm aus. Weite Teile seines Körpers waren von nekrotischem Gewebe bedeckt. Ich drehte mich zu Gudrun. "Woher..." "Irgendjemand musste ja handeln, wenn du deinen Job schon nicht machst."