Die Ratsvorsitzende der Elfen näherte sich dem tiefen Tal und stellte sich auf den großen Vorsprung.
Der Himmel verdunkelte sich. Schatten und Licht brachen durch die Bäume im ständigen Wechsel.
Dann senkte sich der gewaltige Körper in die Mitte der Lichtung. Die Haare der Ratsvorsitzenden wehten.
"Sei gegrüßt, mein Lieber", sagte sie. Vor ihr war ein großes smaragdfarbenes Auge.
"Sei gegrüßt." Die Stimme war stark und kräftig, aber auch ein bisschen wie kräftiges Blätterrauschen.
Sie näherte sich im und legte eine Hand auf seine Nüstern. Er ließ es geschehen.
"Es freut mich sehr, dass auch du es zu unserem Winterfest wieder hier hergeschafft hast."
"Es ist mir immer ein großes Vergnügen." "Wie geht es den östlichen Wäldern?"
Der Drache schloss kurz die Augen. "Oh, was ist los?" "Den östlichen Wäldern geht es gut."
"Doch ich spürte, dass es den Schattenwäldern schlecht geht." Die Elfin runzelte die Stirn.
"Ich ahne, dass dort schreckliche Dinge vorgehen. Wir müssen uns darauf einstellen."
Die Ratsvorsitzende blickte nachdenklich. "König Sidas wird bald hier sein. Mal schauen, was er zu sagen hat."
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Nach den Geschehnissen musste ich wie alle anderen fliehen. Ich suchte Zuflucht in Bad Felden.
In dem hochgelegenen Kurort war es noch immer friedlich und sicher. Doch auch hier kamen die Nachrichten.
Schreckliche Kreaturen hatten Avonthal überrannt und die Bewohner konnten nur das Weite suchen.
Wenn überhaupt. Und sie verbreiteten sich im Süden - in beide Richtungen.
Sie schienen Königstreue und Rebellinnen gleichermaßen anzugreifen.
Das hatte Auswirkungen. Die Kampfhandlungen in Ravenberg hatten vorerst geendet.
Ähnlich war es auch in Lequilla. Die Rebellen selbst mussten ihre eroberten Gebiete sichern.
Von überall kamen schreckliche Nachrichten. Ich wollte gerne helfen. Doch meine Möglichkeiten waren begrenzt.
Ich hatte stark an Macht verloren. Zunehmend spielten die Fürstinnen und Fürsten eine größere Rolle.
In Bad Felden war man noch sehr wohlwollend mir gegenüber - doch war es überall so?
Schon in Storrenberg war ich mir da nicht mehr so sicher. Doch diese Gefahr war sehr groß.
Und ich spürte, wie die dunkle Seite der Schatten an mir nagten. Ich konnte nicht mehr.
Obwohl mir meine Berater stark davon abrieten, entschied ich mich für die Reise in den Westen.
An einem kleinen Ort namens Livina hatte ich ein großes Schiff, die Arga, bereit machen lassen.
Nur eine kleine Gruppe von Begleiter*innen sollte mit in den Westen kommen.
Alle von ihnen waren treue Begleiter gewesen. Wir würden lange Wochen unterwegs sein.
Von Livina aus segelten wir an den westlichen Inseln vorüber. Dort hatten wir mit Piraten zu kämpfen.
Doch wir schafften es irgendwie durchzukommen. Nach einer Weile erblickten wir den westlichen Kontinent.
Gigantische Bäume mit wunderschönen Blumen und mir völlig unbekannten Tieren hausten dort.
Und der westliche Kontinent war nicht klein. Die Elfen lebten weit im Westen. Wir würden eine Weile auf See sein.