Welches Gift nehme ich heute? - Ein biochemischer Leitfaden für Junghexen [von Jugolas]

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    • Welches Gift nehme ich heute? - Ein biochemischer Leitfaden für Junghexen [von Jugolas]

      Welches Gift nehme ich heute? - Ein biochemischer Leitfaden für Junghexen


      Im Düsterwald beginnt das erste Junghexen-Ausbildungsseminar. Natürlich unter Anleitung unserer Lieblingshexe, die nebenbei natürlich einen Master in Chemie hat, LexiTargaryen.

      Unsere heutige Stunde soll das Thema Gifttränke genauer beleuchten nämlich unter biochemischen Aspekten: Welcher Trank bringt den schmerzhaftesten Tod? Wie funktioniert das und wie stelle ich das tolle Gift überhaupt her?

      Beginnen wir doch mal mit einem Gift, dass die Hexe wahrscheinlich sowieso immer dabei hat, sei es um den Heiltrank zu verdünnen: Ethanol.



      Wer sich vielleicht schon mal den Trunkenbold des Dorfes angeschaut hat, wird sich denken können, warum Ethanol als obligat hepatotoxischer Stoff bezeichnet wird. Bei Alkohol handelt es sich nämlich um ein Lebergift, welches unter anderem toxische Wirkungen auf die Bildung der roten Blutkörperchen hat. Wer sich dauerhaft diesem Stoff aussetzt, verkürzt also auf kurz oder lang seine Lebenszeit.

      Interessanter ist hier aber die akute, also momentane, nicht dauerhafte, Toxikation. Bei 0,5 - 1,0 Promille zeigen sich die uns bekannten Trunkenheitssymptome wie Aggressivität oder Schwindel. Um einen Menschen damit zu töten ist jedoch etwas mehr nötig, nämlich die letale Dosis (im folgenden: LD). Bei einem ungeübten Trinker liegt diese bei circa 3-4 Promille Blutalkohol. Diesen Spiegel erreicht ein Mann von 70 Kilogramm bei etwas 12 Bieren à 0,3l. Von reinem Laboralkohol genügen jedoch schon 144 Gramm um einen kritischen Wert von 3 Promille zu erreichen. Da aber auch schon Werte von 7 Promille gemessen wurden oder zum Beispiel Asiaten Probleme beim Acetaldehyd-Abbau haben, sollte natürlich jeder selbst wissen, wie viel er verträgt.

      Den Junghexen wird jedenfalls geraten, auf Alkohol als Gift zu verzichten: Man braucht zu große Mengen und die sind auch noch viel zu teuer



      Lust das gesamte Dorf umzubringen? Versuch es mit Sarin!

      Bei Sarin handelt es sich um ein sogenanntes Neurotoxin, also ein Gift, dass auf neuronaler Ebene wirkt und zum Beispiel in Bürgerkriegsgebieten wie Syrien eingesetzt wird.


      Racemate (Spiegelungen) des Sarins

      Sarin wurde ursprünglich 1939 auf der Suche nach Insektenschutzmitteln entdeckt und wurde seitdem immer wieder von verschiedenen Regierungen in Kriegsfällen oder zur Unterdrückung der Opposition genutzt. Nennenswert wären der chilenische Diktator Pinochet oder die USA während des Kalten Kriegs.

      Da es sich hierbei um Gas handelt, erkennt wohl selbst unser Dorfdepp, warum die Nutzung dieses Gases unsere Junghexen selbst ins Grab bringen kann: Wenn diese nicht gerade gute Atemmasken oder ein Flugzeug zum Abwurf der Gaspatronen zur Hand haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Gas auch an den eigenen Acetylcholinrezeptoren wirkt.


      Die obere Grafik zeigt den Wirkungsmechanismus des Sarins (rot). In der Präsynapse (oben) liegt Acetylcholin (blau) in einer Art Verpackung vor. Diese Acetylcholinesterase (rot) ist ein Neurotransmitter, sie sorgt dafür, dass die Signale unseres Hirn z.B. zur Lunge weitergeleitet werden. Dabei Binden diese an die Natrium-Ionenkanäle, diese öffnen dadurch und lassen den Reiz weiter. Kurz darauf wird das Acetylcholin aber wieder von der Acetylcholinesterase aufgenommen um den Natrium-Ionen-Fluss zu stoppen und somit eine erneute Erregungsleitung zu ermöglichen. Wie wir nun sehen bindet jedoch das Sarin an die Rezeptoren der Ionen-Kanäle und zwar kaum reversibel. - Die Folge: Die Kanäle schließen nicht, es kann kein Ausgangszustand (Ruhepotential) hergestellt werden. Da führt dazu, dass die Signale des Hirns an den Körper, zum Beispiel das geatment werden soll nicht weitergeleitet werden. Das Opfer kann unter tropfender Nase leiden, als auch unter Muskelzuckungen, bei einer hohen Konzentration kommt es zum Atemstillstand, das Opfer stirbt qualvoll.

      Wir sehen also die Problematik dieses Giftes: Potentiell schädlich für den Anwender und kaum auf einzelne Individuen anwendbar.
      Wer sein Opfer natürlich richtig leiden sehen will, greift auf Sarin zurück. Bei Wölfen also wärmstens zu empfehlen.

      Eine Sache die man vielleicht auch noch erklären sollte, wäre die Herstellung, schließlich müssen wir ja auch irgendwie an das Gift kommen. Beim Alkohol sollte der Weg, also Gärung, Destillation etc. ja offensichtlich sein, aber hier wird es etwas komplexer, ich stelle euch nun die Methode der Amerikaner vor.

      Im ersten Schritt wird Dimethylmethylphosphonat (1) mit Thionylchlorid zu Methylphosphonsäuredichlorid (2) umgesetzt. Durch Hinzugabe der aus Breaking Bad bekannten Flusssäure (HF) kommt es zur Fluorierung und wir erhalten Methylphosphonsäuredifluorid.


      Dies ist nun der Syntheseschritt der im Labor passiert, die Wissenschaftler laufen also noch wenig Gefahr sich selbst umzubringen, es sei denn sie lösen sich selbst in der Fluorsäure auf.
      Nach Raketenabschuss kommt es dann, unter Verwendung eines Reaktionsbeschleunigers, zur Reaktion mit Isopropanol zu unserem Sarin, wobei nach 10 Sekunden 70% des Endprodukts vorliegen.





      Nachdem wir nun 2 Gifte kennengelernt haben, die in der Anwendung nicht ganz praktikabel sind, wollen wir uns nun einem Toxin widmen, das etwas leichter zu handhaben ist: Kaliumcyanid oder Zyankali genannt.

      Der Giftstoff wird im Normalfall mit “Zyankali-Kapseln” verabreicht, diese enthalten die schädlichen Cyanid-Ionen (), welche an Sauerstoffbindungsstelle der Cytochrom-c-Oxidase blockieren. Da es sich dabei um einen Teil der Atmungskette hält, kommt es hier zum inneren Ersticken.

      Die Synthese von Kaliumcyanid gestaltet sich hierbei vergleichsweise einfach, es läuft nämlich eine Neutralisationsreaktion zwischen Blausäure und Kalilauge zu Kaliumcyanid und Wasser ab:



      Dampft man das Produkt nun ein, liegt nahezu reines Zyankali vor, welches als Kapsel unters Essen gemischt einen Menschen umbringen kann. Die letale Dosis für einen Menschen beträgt 2,86 mg pro Kilogramm Körpergewicht, was bedeutet, dass wir, um einen Menschen von circa 80 Kilo zu töten, etwa 230 mg benötigen.

      Der Mord mit Zyankali hat dabei noch einen tollen Nebeneffekt: Unsere Leiche wird nach Marzipan riechen, denn dieses wird aus Mandelkernen gewonnen, in welchen auch eine gewisse Menge Blausäure vorhanden ist.

      Ich hoffe dieser Text konnte zeigen, dass überall Gifte lauern und einige von ihnen gar nicht so kompliziert herzustellen sind; selbst ein Schüler könnte mit den Ausgangsstoffen wahrscheinlich Zyankali herstellen. Trotzdem rate ich zu eurer eigenen Sicherheit von Nachahmung und Selbstversuchen ab, genauso wie ich mich vom Einsatz jeglicher Gifte, insbesondere Neurotoxinen, in Kriegsgebieten distanziere. (Alle Angaben ohne Gewähr :P)
      Wer nicht zerschlissen werden will,
      der lernt sich durchzubeißen.
      Wer nicht beschissen werden will,
      muss andere bescheissen.

      Darum saug dir Mut an,
      etwas frisches Blut kann,
      dir nicht schaden,
      mir nicht schaden,
      Saug dich satt anstatt zu klagen!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jugolas ()

    • Wenn ich morgens aufwache, ist das erste, was ich mich frage, auch immer, ob ich heute Lust habe, das gesamte Dorf umzubringen und welches Gift ich dazu benutzen soll.
      Danke Jugolas, jetzt weiß ich endlich, was für ein Gift ich benutzen soll und kann nächstes mal, wenn ich die Lust verspüre, endlich zur tat schreit :ugly:
      “I meant," said Ipslore bitterly, "what is there in this world that truly makes living worthwhile?"
      Death thought about it.
      CATS, he said eventually. CATS ARE NICE.
    • Und obwohl es um die Junghexen geht haben der Trunkenbold und der Dorfdepp auch ihren Platz gefunden, wie schön. Ich finde es ja sehr sozial von Jugolas, dass er auch an diese Dorfbewohner gedacht hat. Vermutlich wären die auch sein Ersatz für die Laborratten beim Austesten neuer Giftmischungen, aber immerhin wurden sie mal erwähnt. :ugly:
      "Die Menschen haben die Götter erfunden, damit sie ihnen die Fragen beantworten, vor denen sie sich selbst fürchten." ~ Ragnar Lothbrok, Vikings
    • Ich überlege gerade, ob ich die Fehler im Text verbessern sollte... Aber ich denke, das ist gewollte Ironie ^^
      Und außerdem soll das ja eh keiner Nachkochen :D

      Einen guten Raketenabschuss euch noch ;)
      Save Bomberman! Protect Bomberman! Free Bomberman!
      He's all we want and need ^^

      Under the bleeding hanging-tree,
      I vote you and you vote me.
      There rot they, and here blame we,
      Under the bleeding hanging-tree.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Feles ()